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Start zur Tour d’Allemagne

Einmal längs durch Deutschland – erste Etappe vom Fuße der Hornisgrinde in die Nordvogesen nach Climbach

 

Um 10.08 Uhr fiel nun der lange herbeigesehnte Startschuss zu unserer Deutschlandtour. Einmal längs durch die Republik, so war unser erklärtes Ziel. Am Fuße der Hornisgrinde, dem zweithöchsten Berg des Schwarzwaldes, machten wir uns von meinem Heimatort aus zu unserer ersten Etappe nach Climbach im Elsass auf. Das Gefühl bei den ersten Tritten in die Pedale war eigenartig. Die Last unserer Gepäcktaschen war deutlich zu spüren, sodass ich den Eindruck hatte, das Rad wird gleich in der Erde versinken. Schnell hatte man sich zum Glück an die Zusatzlast gewöhnt, aber leider lösten sich die Gedanken, die wie Bingokugeln in einer Trommel in meinem Kopf herumwirbelten, erst viel später auf. Seit gestern Abend bin ich Tante, die Gedanken kreisten um das Neugeborene, dem ich sozusagen in den nächsten Tagen entgegenfahren werde, da mein Bruder bei Hamburg lebt. Dann war noch der Gedanke aufblitzend, ob ich diese Tour auch schaffe, angesichts der knapp 900 Kilometer, die vor uns liegen. Aber so wie die Hornisgrinde langsam aus meinem Blickwinkel verschwand und die Natur ihr Übriges tat, so verschwanden auch die Bingokugeln. Kaum ein paar Kilometer gefahren wurden wir auch schon von einem Einheimischen, der auf dem Rennrad unterwegs war, angesprochen, wohin denn die Reise gehe. Die Antwort bewegte ihn nochmals zur Nachfrage: „Ihr meint das Hamburg mit HH?“
Der Weg führte uns erst einmal gen Westen Richtung Rhein und damit auch zur Grenze nach Frankreich. Damit wir auch richtig Energie loswerden durften, mussten wir gegen den Wind anfahren. Den Kampf gewannen wir, schließlich haben wir ja ein starkes Kraftpaket an Bord. Gemütlich ging die Reise Richtung Norden anschließend direkt am Rhein entlang. Plötzlich verdunkelten Wolken die perfekte Rheinidylle mit Schwänen und Enten. Gerade rechtzeitig konnten wir uns in Regenkleidung hüllen und wurden von einem heftigen Regenschauer in begossene Pudel verwandelt. Unterschlupf fanden wir im Outletcenter in Roppenheim. Leider wurde es nichts aus einem herrlichen Shoppingbummel, wir haben schließlich eine andere Mission. Die säuselnde Musik auf dem Areal animierte uns allerdings schon zum Seufzen darüber, dass wir nicht der Lieblingsbeschäftigung ein jeder Frau nachgehen durften. Weiter ging die Reise über Matschpfade und durch Wasserpfützen, die das Ausmaß kleiner Seen hatten. So schnell wie der Regen allerdings kam, so schnell verzog er sich und die Sonne lugte wieder hervor. Nach der Rheinüberquerung bei Iffezheim fuhren wir durch pittoreske Elsassdörfer mit den typischen Fachwerkhäusern, den Störchen auf Feld und Häuserdächern und erfreuten uns an der Weite der Landschaft. Gegen Spätnachmittag war das Ziel schon zum Greifen nahe. Nur noch 12 Kilometer trennten uns vom ersten Etappenziel. Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Melanie überraschte mich mit der Ausage, dass noch 300 Höhenmeter zu bewältigen wären. Der Akku war aber fast leer und außer Wald gab es ringsum nichts. Die letzte Rettung war die Steckdose in einem Hallenbad, sodass wir mit frisch aufgetankter Energie die letzten Kilometer noch über den Col de Pfaffenschlick bis nach Climbach schafften.

 

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