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Hurra, wir haben die Berge hinter uns – Etappe Nr. 6 von Kassel nach Einbeck

Nach einer reichlich kurzen Nacht machten wir uns heute nicht ganz so früh auf den Weg. Erfreulicherweise war die Strecke nur 109 Kilometer lang. Von Kassel aus ging es direkt wieder auf den Fulda-Radweg R1. Dieser wird von Radlern stark frequentiert. Aber dennoch konnte ich im Fuldatal ausgiebig die Natur genießen. Der Fluss Fulda, der sanft in Wiesen eingebettet liegt, bietet zahlreiche Perspektiven, die an Romantik nicht zu überbieten sind. Auch Wassersportler wie Ruderer zieht das Gewässer an. An den Ufern reihen sich kleine Holzferienhäuser aneinander, die liebevoll dekoriert sind wie die Fortsetzung des romantischen Flussspektakels. Nach der Auffahrt auf den Weser-Harz-Heide-Radweg wurde es ruhiger, sprich man traf fast keine Radwanderer mehr. Die meisten wählen den Weserradweg Richtung Bremen. Kein Wunder, denn für uns hieß es wieder bergan zu fahren. Ab Kilometer 45 mussten wir wieder kräftig in die Pedale treten. Kaum dass wir einen Hügel erklommen hatten, ging es wieder hinunter. So arbeiteten wir uns eine Weile voran, bis wir den höchsten Punkt unserer heutigen Etappe von 419 Metern erreicht hatten. Nach 64 Kilometern und einer Fahrzeit von 3 Stunden erreichten wir die Universitätsstadt Göttingen.
Da wir Lust auf Kaffe und Kuchen hatten, ließen wir uns in einem Traditionscafé nieder, nicht zuletzt um unsere Akkus erneut aufzuladen. In dem vornehmen Café waren wir mit unserer Frage, ob wir eine Steckdose benutzen dürften, nicht sonderlich gern gesehen. Wir wurden in eine Ecke geschickt, in der wir den Akku laden durften, aber mit dem Hinweis, dass keine Haftung übernommen werde, wenn die Akkus wegkämen. Zu den Akkus möchte ich an dieser Stelle etwas anmerken. In Zukunft wissen wir, dass bei Touren über 100 Kilometern ein Ersatzakku gebraucht wird, damit man nicht ständig zu einer Zwangspause genötigt wird. Außerdem ist ein Ebike an steilen Passagen von Vorteil, aber falls der Akku den Geist aufgibt, sitzt man auf dem Trockenen, weil im OFF-Modus der Fahrer das Gefühl har, er fahre gegen eine Wand bzw. stößt beim Treten auf einen Widerstand. Die neun Gänge des Rades machen das Fahren ohne Akku auch nicht leichter.
Auf Empfehlung einer einheimischen Dame besichtigten wir den Innenraum des alten Rathauses. Sehenswert sind in der Halle die Wandbemalungen des Hannoveraner Historienmalers Hermann Schaper. Mittelalterlich anmutende Figuren auf den Gemälden erzählen von der Geschichte Göttingens und Tugenden wie Mildtätigkeit, Gerechtigkeit oder Klugheit. Auch dem Physiker und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg begegnet man in der Stadt in Form einer Bronzestatue. Aber das Highlight stellte für uns die sogenannte Radautobahn dar. Der eRadschnellweg Göttingen ist bundesweit der erste Radschnellweg, der zentral durch eine Stadt führt. Der Streckenabschnitt, der den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Uni verbindet, ist 4 km lang und soll zeigen, welche Anforderungen Radfahrer mit Elektrofahrrädern an die Infrastruktur stellen und ob durch das Angebot von Radschnellwegen und Elektrofahrrädern die Bereitschaft von Pendlerinnen und Pendlern steigt, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Begeistert fuhren wir den breiten und blau gekennzeichneten Weg ca. 2 Kilometer entlang, ehe wir uns auf den Leine-Heideradweg begaben, dem wir nun in den nächsten Tagen bis nach Hamburg folgen werden. Es regnete zwar heute zum Glück nicht, aber es war doch von den Außentemperaturen recht frisch, was ich daran bemerkte, dass meine Lenkerhörnchen die ganze Zeit eiskalt waren. Aber da es wieder bergauf ging, wurde es mir recht schnell auch wieder warm. Nach der Durchfahrt durch Northeim, einer alten Fachwerkstatt, schalteten wir nochmals unseren inneren Turbo an und zogen das Tempo auf den letzten 18 Kilometern nach Einbeck, unserem Tagesziel, an. Heute erreichten wir unseren Übernachtungsort zu einer humanen Abendzeit. Zum Glück Haben wir nun auch die Berge hinter uns gelassen und können uns auf weitere Etappen in der Ebene freuen.

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